Um Makroaufnahmen von Wildkräutern auf dem Gelände der MUNA Hohenbrunn (MUNA steht für die ehemalige Heeres-Munitionsanstalt) zu machen, nahm ich an einer geführten Wildkräuterwanderung unter der Leitung einer zertifizierten Kräuterpädagogin teil.
Die Tour begann am heutigen Haupteingang der stillgelegten MUNA Hohenbrunn. Sie wurde 1938 vom NS-Regime als Munitionsfabrik und Munitionsdepot für Granaten erbaut. Ab 1945 verwaltete das Gelände die amerikanische Armee, die es dann ab 1958 an die Bundeswehr übertragen hat. Seit 2007 gehört das Gelände den Gemeinden Hohenbrunn und Höhenkirchen-Siegertsbrunn.
Das weitläufige Gelände der ehemaligen MUNA war in der NS-Zeit geheim und streng bewacht. Es ist heute noch größtenteils eingezäunt und so konnte sich ein einzigartiger Lebensraum und eine bemerkenswerte Vielzahl von Pflanzenarten und Insekten erhalten.
Bei der Wildkräuterführung wurden verschiedene und teilweise selten vorkommende Wildkräuter bestimmt und besprochen.
Ich wollte unbedingt ein paar schöne Makrofotos von den Wildkräutern machen und meine neue, kostengünstige Makrofotografie–Technik ausprobieren, die ich aus einem YouTube-Video von Christina von Photosprouts gelernt hatte.
Bevor wir uns die Makroaufnahmen der Wildkräuter im MUNA ansehen, wollen wir uns zunächst mit dem Aufnahmeort und der tragischen Geschichte des MUNA Hohenbrunn vertraut machen.
Orientierungs-Fotos der MUNA Hohenbrunn
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MUNA Hohenbrunn Übersichts-Karte

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Versteckt in einem etwa 10 km südöstlich von München liegendem Waldgebiet liegt das Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik und eines Depots der deutschen Wehrmacht aus dem Zweiten Weltkrieg, historisch bekannt als MUNA Hohenbrunn (MUNA = Munitionsanstalt). Die Anlage erstreckte sich ursprünglich über eine Fläche von etwa 1,8 km² (180 Hektar), was annähernd der Hälfte der Größe des Englischen Gartens in München entspricht. Die MUNA blickt auf eine dunkle Geschichte zurück, da hier etwa 700 bis 800 Zwangsarbeiter und darunter auch viele Kinder ab 10 Jahren zum Arbeitseinsatz kamen und oft unter lebensgefährlichen Bedingungen arbeiten mussten.
Quellen: Hohenbrunn im Nationalsozialismus: Die Ortsgeschichte von 1933 bis 1945 von Annemone Christians und Florian Wimmer sowie https://de.wikipedia.org
Zwischen 1939 und 1945 belief sich die Zahl der Zwangsarbeiter in Deutschland auf insgesamt etwa 13,5 Millionen, darunter ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Im Jahr 1944 war jeder vierte Arbeiter in Deutschland ein Zwangsarbeiter. Darüber hinaus wurden schätzungsweise weitere 13 Millionen Menschen in den besetzten und kontrollierten Gebieten Europas vor Ort zur Zwangsarbeit gezwungen. Zwangsarbeit fand nicht ausschließlich in der Industrie statt (43%). Zwangsarbeiter wurden in einer Vielzahl von Bereichen eingesetzt, die für die Öffentlichkeit sichtbar waren: in der Landwirtschaft (36%), im Dienstleistungssektor und in privaten Haushalten (12%), im Baugewerbe (6%) sowie im Bergbau (3%).
Quelle: Mark Spoerer, „Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz“, 2001
Die Zwangsarbeiter der MUNA Hohenbrunn lassen sich anhand der Einwohnermeldekarten der Gemeinde Hohenbrunn namentlich und oft auch anhand von Geburtsdatum und -ort, Konfession, Beruf, Familienstand und Heimatort identifizieren. Klicken Sie hier, um die 681 Einwohnermeldekarten aus den Jahren 1940 bis 1945 einzusehen.
Quelle: Arolsen-Archiv, Einwohnermeldekarten der Gemeinde Hohenbrunn, Signatur 10004423
Herkunftsländer der MUNA Hohenbrunn Zwangsarbeiter
Diese Karte zeigt die Herkunftsorte vieler der Zwangsarbeiter, die in den Arolsen-Archiven dokumentiert und auf den MUNA-Meldekarten der Gemeinde Hohenbrunn (1940–1945) erfasst sind. Sie stammten aus der heutigen Ukraine (275), der Tschechischen Republik (245), Italien (78), Russland (69), Frankreich (5), der Republik Moldau (3), Polen (1), den Niederlanden (1) und Belgien (1). Einschränkung: Einige Zuordnungen der UdSSR zu heutigen Ländern sind möglicherweise ungenau, da historische Ortsnamen nicht immer eindeutig den heutigen Orten zugeordnet werden konnten.
Info: Wenn Sie diese Seite auf einem mobilen Endgerät ansehen, wird anstelle der interaktiven Karte eine Text-Übersicht der bekannten Herkunftsorte der Zwangsarbeiter der MUNA Hohenbrunn angezeigt, da die interaktive Karte auf Smartphones und Tablets nur eingeschränkt nutzbar ist.
Im Jahr 2011 wurden die Überreste von Kindern der Zwangsarbeitern entdeckt
Im Jahr 2011 wurden die Skelettreste von 21 Kindern (im Alter von etwa 6 bis 10 Jahren) identifiziert, nachdem Kinder in einer Kiesgrube in der Nähe der ehemaligen MUNA Hohenbrunn Knochen gefunden hatten. Historische Untersuchungen und forensische Untersuchungen ergaben, dass die Kinder ukrainischer oder russischer Herkunft waren und zu Familien von Zwangsarbeitern gehörten, die zur Arbeit in die MUNA Hohenbrunn gebracht worden waren. Historiker hatten schon lange die Existenz eines mit der MUNA Hohenbrunn in Verbindung stehenden Friedhofs vermutet, obwohl die genauen Umstände des Todes der Kinder weiterhin unklar sind.
Quellen: Münchner Merkur, Grusel-Fund: Kinder-Knochen in Kiesgrube entdeckt 30.09.2011, DER SPIEGEL: Kinder entdeckten Massengrab aus Nazi-Zeit
Das Denkmal der MUNA Hohenbrunn wurde 2015 enthüllt

Geschichts-Seminar von Jugendlichen über die MUNA Hohenbrunn
Zum Abschluss des Geschichtsteils dieses Beitrags möchte ich ein aus meiner Sicht besonders gelungenes Projekt des Gymnasiums Ottobrunn aus dem Schuljahr 2025/26 zur MUNA Hohenbrunn vorstellen. Meiner Einschätzung nach vermittelt es die historisch anspruchsvollen Inhalte auf eine moderne und jugendgerechte Weise und kann insbesondere jüngeren Interessierten einen guten Zugang zu diesem Thema eröffnen.
Die Schülerinnen und Schüler besuchten das historische Gelände und recherchierten mithilfe der Arolsen Archives nach konkreten Einzelschicksalen. Ergänzend fanden Studientage im Max-Mannheimer-Studienzentrum sowie Fachgespräche mit Historikern zur regionalen Erinnerungskultur statt.
Als Projektergebnis entstanden acht kurze Videos im Reel- und Short-Format, die die historischen Inhalte digital und zielgruppengerecht aufbereiten.
Makroaufnahmen von Wildkräutern in der MUNA Hohenbrunn
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Ich bin mit den Makroaufnahmen recht zufrieden. Die Entscheidung für das Viltrox-APO-Objektiv mit apochromatischer Korrektur war wahrscheinlich richtig. Außerdem war es sehr hilfreich, dass ich dank meines Objektivs nicht allzu nah an die Wildkräuter herangehen musste.
Meine Ausrüstung: 7 unverzichtbare Dinge und die Wahl des richtigen Objektivs

Vor der Führung habe ich folgende Vorbereitungen getroffen: Ich habe alle meine besseren Objektive mit Zwischenringen getestet, um herauszufinden, welches die beste Vergrößerung liefert, also eine Vergößerung die so nah wie möglich an einem Makrofaktor von 1:1 liegt.
In meinem Fall hat sich das relativ neue Viltrox 55 mm f/1,8 APO (apochromatisches) Objektiv in Kombination mit den Zwischenringen überraschenderweise als das Objektiv mit dem besten Makrofaktor in meinem Bestand erwiesen. Damit hatte ich nicht gerechnet, da die Naheinstellgrenze dieses Objektivs ohne Zwischenringe bei eher hohen 43 cm liegt.
Wie kann ich den Makrofaktor meiner Objektive testen?
Um die Makro-Eigenschaften des Viltrox 55 mm f/1,8 APO-Objektivs (apochromatisch) in Kombination mit den Meike-Zwischenringen zu testen, habe ich einen alten Zollstock aus möglichst geringer Entfernung fotografiert, wobei das Bild von links nach rechts scharf bleiben sollte.

Um das Vergrößerungsverhältnis (Makrofaktor) meiner Ausrüstung zu berechnen, vergleiche ich einfach die tatsächliche Breite des fotografierten Objekts mit der Breite des Kamerasensors, auf den es projiziert wird. Meine Sony a7Cii verfügt über einen Vollformatsensor mit einer Breite von 36 mm.
Die Formel ist:

Mit meinen Werten eingesetzt:

Makro-Faktor meiner Objektiv- und Zwischenring-Konfiguration
Mit meiner Ausrüstung, bestehend aus dem Viltrox 55 mm f/1,8 APO (apochromatisch) und den Meike-Zwischenringen, erreiche ich ein Vergrößerungsverhältnis von 1:1,39 (oder gerundet 0,72:1). Nehmen wir also an, meine Ausrüstung hat einen Makrofaktor von ca. 1:1,4.
Was bedeutet das in der Praxis? Als „echter Makro“-Standard gilt das Verhältnis 1:1 (bei dem ein 36 mm langes Objekt den Vollformatsensor exakt ausfüllt). Mit meinem Verlängerungsrohr-Setup komme ich diesem Maßstab recht nahe. Ein Objekt wird mit etwa 72 % seiner tatsächlichen Größe auf meinen Sensor projiziert. Für die überwiegende Mehrheit der Wildkräuter und deren Details am MUNA-Standort reicht dieses Vergrößerungsverhältnis mehr als aus, um feine Strukturen der Wildkräuter gestochen scharf festzuhalten.
Mit einem Makrofaktor von 1:1,4 bietet das Viltrox 55 mm f/1,8 APO-Objektiv (apochromatisch) einen überraschend komfortablen Abstand zum Motiv, wodurch sich der IT32-Blitz ganz einfach abseits der Kamera positionieren lässt, um das Licht von der Seite zu gestalten.
Hier sind die einzelnen Schritte der Aufnahmetechnik, die ich beim Fotografieren der Wildkräuter befolgt habe
- Was ich in meiner Kameratasche mitnehme: Eine spiegellose Kamera; Zwischenringe; einen variablen ND-Filter mit einem Bereich von ca. ND2 bis ND32; einen kleinen kabellosen Blitz und einen Funk-Auslöser; sowie einen Handgriff für den Blitz mit einer 1/4"-Schraube, an dem der magnetische Blitzschuh befestigt ist.
- Ich setze die beiden Zwischenringe zwischen Kamera und Objektiv ein.
- Ich stelle meine Kamera auf den manuellen Modus und die minimale Synchronisationsgeschwindigkeit ein. Ich versuche, die Hochgeschwindigkeits - Synchronisation (HSS) nach Möglichkeit zu vermeiden, um eine höhere Blitzleistung zu erzielen. Bei meiner Sony α7Cii entspricht dies einer Verschlusszeit von 1/160 s.
- Ich stelle die Blende auf einen höheren Wert wie f/11, um einen größeren Schärfebereich zu erzielen.
- Ich stelle meine Kamera manuell so ein, dass ISO und der variable ND-Filter ohne Blitz eine dunkle Aufnahme des Hintergrund ermöglichen. Die Objekte im Hintergrund sollen jedoch nicht zu dunkel und noch leicht erkennbar sein und durch ein schönes, weiches Bokeh ästhetisch hervorgehoben werden.
- Ich mache ein paar Testaufnahmen ohne Blitz, um meine manuellen Kameraeinstellungen an das Umgebungslicht anzupassen.
- Ich stelle das Wildkraut mithilfe der Fokus-Peaking-Funktion manuell scharf und blitze dann mit dem kabellosen Blitz, der zunächst auf eine manuelle Blitzleistung von 1/64 eingestellt ist, von der linken oder rechten Seite auf das Kraut. Ich mache ein paar Testaufnahmen und passe dabei die manuelle Blitzleistung an, bis das Kraut richtig ausgeleuchtet ist.
- Ich habe mit den gleichen manuellen Einstellungen fast alle meine Wildkräuter fotografiert. Selten musste ich nur die Starke des Blitz ein klein wenig anpassen.
Warum ist diese Makrotechnik kostengünstig?
Sie müssen wahrscheinlich kein teures Makroobjektiv kaufen, da Sie oft Ihre bereits vorhandenen Objektive in Kombination mit preiswerten Zwischenringen verwenden können (ich habe meine Zwischenringe für ca. 30 Euro gekauft). Außerdem: Mit einem kabellosen Blitzgerät für ca. 100 Euro, das nicht an der Kamera montiert wird, können Sie die „perfekte“ Beleuchtung für das fokussierte Makro-Objekt erzielen.
„Makro-Fotografie für den kleinen Geldbeutel“ von Christina von Photosprouts aus San Francisco, Kalifornien
Vielen Dank an Christina, dass sie mir ihre kostengünstige Makrofotografie-Technik mit einem kleinen kabellosen Blitz und Zwischenringen vorgestellt hat!
Standort des MUNA-Denkmals auf Google Maps

Hier geht es zum Denkmal der MUNA Hohenbrunn in Google Maps
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Haben Sie eine Vorstellung davon, was in den beiden großen sogenannten Pershing-Bunkern gelagert wurde, die offenbar während der Zeit der Bundeswehr nach 1958 errichtet wurden? Meiner Ansicht nach ist es äußerst unwahrscheinlich, dass die US-Armee Pershing-Raketen aus ihrem Bestand abgegeben hat, also muss es sich um etwas anderes gehandelt haben. Die Bunkertore sind groß genug, dass größere Militärfahrzeuge hinein- und hinausfahren können.
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